Der Aufzug steht still. Die Hausverwaltung schickt seit Jahren Briefe und vergisst die Anzahlung mit in den Umschlag zu stecken. Das Treppenhaus riecht nach kaltem Rauch, Lufterfrischer und geplatzter Träume. Wer das Treppenhaus bezwungen und den schummrigen Flur durchschritten hat, hat sich erstmal einen Drink verdient. Gastfreundschaft ist hier überlebensnotwendig.
Hier drinnen wohnt ein Xennial männlichen Geschlechts, also eines von den Schwellenwesen zwischen den Zeiten. Alt genug um eine Wählscheibe benutzen zu können, und jung genug um zu wissen, dass LLM nicht für Laser-Licht-Modul steht. Zwei Betriebssysteme in einem Kopf, die sich nur beim Prokrastinieren einig sind und es erfolgreich vermieden haben, sich erwachsen zu fühlen. In Wirklichkeit ist dieses Wesen schon leicht kalkig im Oberstübchen und hat mehr vergessen als einige je lernen werden.
Was hier rumsteht: Flaschen, die älter sind als manche Schulkinder. Bücher in Stapeln, weil der Hausherr Regale nur als Angebot wahrnimmt. Eine E-Gitarre, auf der seit Jahren beharrlich kaum Fortschritt erzielt wird. Ein PC und ein Aschenbecher. Pflanzen stehen nur ab und zu im Zelt, abgesehen von den Kakteen, die weniger Wasser sehen als das Fell einer Wüstenspringmaus. Trotzdem werden Pflanzen hier bevorzugt, weil sie sich nicht zur Wohnungseinrichtung oder dem Sauberkeitsgrad äußern. Sie stehen einfach da und entwickeln sich täglich weiter. Das ist um Welten mehr, als man von den meisten sagen kann.
Hier werden Dinge vorgestellt, die als gut oder interessant befunden werden. Ob im Ohr, im Glas, auf dem Teller, dem Nachttisch oder der Mattscheibe. Und es wird über Themen geschrieben, die den Bewohner nicht loslassen - wenn es spät wird und die Flasche offen ist und man es wieder nicht schafft zu einer altersgerechten Zeit ins Bett zu gehen.
An der Tür steht 687. Das Haus hat vier Stockwerke. Fragen Sie lieber nicht. Die Nummer sitzt auf der Tür wie eine Jogginghose am Arsch. Sie passt jedem, aber irgendwie auch nicht so richtig.